Gescheiter Scheitern: Lehrer, die sich entschuldigen können…

Wie schon oft steht Philippe Wampfler in seinem tollen Blog “den Welpen auf den Schwanz” mit seinem Text zum Vorbild-Sein von uns LehrerInnen und zur Rolle der “Entschuldigung” in einer funktionierenden Fehlerkultur.

Bei uns an der ksb ist es sogar Teil der Kernkompetenzen auf unserem Kompetenzraster Schlüsselqualifikationen. Allerdings macht uns das nicht perfekt oder per se besser im Alltag und in der konkreten Umsetzung einer guten Fehlerkultur.

Neulich hatte ich ein Konflikt und ein Gespräch mit einem Kollegen über seinen belehrenden und unangebrachten Ton in E-Mails mir gegenüber. Nachdem ich ihm meine Wahrnehmung und die Wirkung seiner Sprachhandlungen auf mich dargelegt hatte, entschuldigte er sich nicht.

Ich bin davon überzeugt, dass wir LehrerInnen vorleben sollten / müssen, wie wir “gescheiter Scheitern”, wie wir Probleme angehen, wie wir mit Fehlern umgehen und bei Schaden anderen gegenüber uns offen (Transparenz!) entschuldigen können (Wertschätzung!).

Der gleiche Kollege hat mich darauf hingewiesen, dass “Fehler passieren halt”, nachdem er vergessen hat, etwas für mich zu erledigen.

Tatsächlich: “Sh** happens”, aber wenn es andere betrifft, gehört eben eine Entschuldigung in Form einer Sprachhandlung zu einem Fehler dazu und erst dann sage ich: “No problem. Du hast Dich ja entschuldigt.” Aber nicht die Person, die den Fehler begeht, sagt “Fehler passieren halt” und auch noch ohne Entschuldigung.

Zu einer guten Entschuldigungs- aka Fehlerkultur gehören folgende Aspekte:

  1. Eine Entschuldigung darf sich nie anhören wie eine Ausflucht, Rechtfertigung, Verteidigung, Ausrede etc.
  2. Ich spreche meine Entschuldigung ernsthaft aus und je nach Fall kurz oder lang. Meine Entschuldigung soll die Wirkung auf das Gegenüber nicht verfehlen. Es kommt nicht auf mich drauf an, sondern auf mein Gegenüber, das die Entschuldigung entweder annimmt oder eben nicht.
  3. Wenn der Fehler / der Fall öffentlich ist, darf die Entschuldigung nicht privat sein, sondern muss auch öffentlich sein.
  4. Die Entschuldigung soll möglichst schnell erfolgen. Je weiter weg zum Fall, desto “schwächer” wird sie.
  5. Sich vor den Lernenden für einen Fehler zu entschuldigen hat eine grosse “hygienische” Wirkung. Es ist gut für die Arbeitsatmosphäre und die Gruppendynamik. Es reduziert die Asymmetrie in der Beziehung.
  6. Ich zeige nach der Entschuldigung, was ich besser machen werde und wie ich das schaffen kann. Eben: “gescheiter Scheitern”.

Link zum Wampfler-Blog “Warum Lehrkräfte sich oft entschuldigen sollten”

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